Sie wollen mit Ihrem Kind spielen. Aber es rennt immer nur weg, oder hin und her, vokalisiert laut oder fummelt an einem Gegenstand herum. Oder es sitzt abwesend oder lümmelt sich ziellos auf dem Sofa herum. Sie haben wiederholt versucht, das Kind für Spielsachen zu interessieren oder zu gemeinsamen Spielaktivitäten zu motivieren. Aber wann immer Sie ihm etwas zeigen oder ihm etwas beibringen wollen, driften seine Augen ins Weite, seine Hände werden schlaff oder es läuft einfach weg. Oder es schreit und wehrt sich, oder schmeißt Sachen herum. Sie fühlen sich hilflos und verloren. Wie das Kind.

Vielleicht machen Sie sich Sorgen wegen Autismus-ähnlichen Verhaltensweisen? Vielleicht hat das Kind eine Autismusdiagnose. Aber das hilft nicht wirklich diese schwierige Situation zu verbessern, und es ändert nichts an dem, oft fast unerträglichen, Gefühl der Hilflosigkeit oder Verwirrung.

Der Schlüssel ist NICHT in den Spielsachen! Der Schlüssel sind SIE selber!

In meinem vorigen Artikel habe ich gesagt, daß der Schlüssel zu diesem schwierigen Problem nicht in den Spielsachen liegt, sondern in der Beziehung zwischen Ihnen und dem Kind, und darin, herauszufinden:

  • was und wo sind die INTERESSEN IHRES KINDES?
  • wie können Sie sein Interesse ERHASCHEN und seine Aufmerksamkeit gewinnen um es in ihren BANN zu ZIEHEN?
  • wie schaffen wir es, daß es so viel SPASS MACHT, daß das Kind sich auf Sie einlassen und auf Ihr Beziehungsangebot eingehen will?

Meistens liegt die Lösung dieses Rätsels nicht im MEHR tun, sondern darin WENIGER zu MACHEN. Um herauszufinden, wo die Interessen Ihres Kindes liegen. muß man sich Zeit nehmen und aufmerksam beobachten, was es tut, was es gerne mag und worauf sich sein Interesse richtet, wenn es allein ist.

Gestern war ich bei einem 3-jähirgen Jungen, der nicht spricht oder spielt. Ich sass neben ihm auf dem Sofa und sprach leise zu ihm über die Bilder der Legofiguren auf der leeren Schachtel, die er mit sich herumtrug. Er reagierte nicht. Aber er lief auch nicht weg. Ein gutes Zeichen. Ich wartete und gab ihm Zeit. Er drehte die Schachtel um. Ich bemerkte dieselben Figuren auf der anderen Seite und kommentierte dies. Er drehte die Schachtel wieder herum. Dann vokalisierte er und ich machte seine Laute nach im Tonfall einer ernsthaften Kommunkation. Sofort wiederholte er seine Laute, und ich die Seinen. Als ich verstummte, schaute er mich an und prustete mit den Lippen. Ich prustete zurück. Er sah mich fassunglos an, und ich mußte lächeln. Er lächelte zurück, und wir lächelten ein paar Mal hin und her. Dann machte er seine Laute nochmal, und wir tauschten mehrere Minuten lang Laute aus. Es war sehr niedlich. Es war vielleicht wenig. Aber für dieses Kind war es ganz viel. Und wir waren im Kontakt.

Einige wichtige SPIEL-TECHNIKEN, die ich benutzt habe:

  1. einfach nur ‘bei ihm sein’, – ohne Erwartungen oder Anforderungen zu stellen
  2. mit Geduld und Interesse beobachten, womit das Kind beschäftigt ist und was es fühlt
  3. zuhören und offen sein für die Kommunikationen und möglichen Ideen des Kindes
  4. ‘kleiner gucken’, d.h. die qualitativen Details beachten, die das Kind interessieren
  5. die Laute und Gesten des Kindes ernst nehmen und nachmachen
  6. erwartungsvolles Warten, um Raum zu schaffen, damit das Kind selber die Initative übernehmen kann
  7. den Ideen des Kindes folgen, – egal wie klein sie auch sein mögen
  8. auf emotionale Bezogenheit aus sein (statt ihm etwas beibringen zu wollen)
  9. jede Kommunikation des Kindes als wichtig und sinnvoll anzunehmen und zu verstehen
  10. ‘Kommunikationskreise’ und ein Hin-und-Her von Blicken und Lauten anstreben, wie in einem Gespräch
  11. dem Kind durch den Gebrauch meiner Stimme zu zeigen, daß ich mich für SEINE Ideen interessiere
  12. und es emotional dazu auffordern, länger im Kontakt zu bleiben und Spaß an unseren Wiederholungen  zu haben

Was man VERMEIDEN sollte, d.h. ich habe 

  1. NICHT versucht, dem Kind etwas beizubringen oder ihm meine Ideen aufzuoktruieren
  2. das Kind NICHT aufgefordert, irgendetwas zu tun oder etwas Anderes zu tun
  3. das Kind NICHT mit Worten bombardiert oder nur über Sprechen mit ihm kommuniziert

Es ist nicht WAS Sie tun, sonder WIE sie es tun

Der Schlüssel ist unseren Fokus auf die GEFÜHLE zu richten und auf seine kleinen Interessenspunkte, – auf spielersicher 1-1 Interaktion mit einem anderen Menschen, die emotional auf das Kind eingeht und es gleichzeitig sachte in Beziehung lockt, und sich liebevoll und warm und freundlich einander zugewandt anfühlt.

NICHT Sprache, sondern SPIELERISCHE INTERAKTION in den Vordergrund stellen.

Das Kind kann seine Aufmerksamkeit und seine verschiedenen Sinne (noch) nicht fokussieren. Es fühlt sich innerlich verloren und es kann seine Aufmerksamkeit nicht der Außenwelt zuwenden. Es versteht nicht, und je mehr Sie ihm erklären, desto weniger versteht es und desto verlorener fühlt es sich. Ein Kind ist kein Computer, den es zu programmieren gilt. Deshalb: stellen Sie nicht Sprache oder Sprechen in den Vordergrund. Das Kind ist noch nicht soweit. Ein Kind, das nicht spielt ist ein Kind, das die Welt (noch) nicht versteht, und das heißt, es kann Worte und die Bedeutung von Sprache (noch) nicht begreifen. Sprache erwächst aus der Fähigkeit zu Interaktion und gemeinsamem sowie exploratorischem Spielen. Kinder, die nicht spielen können, haben auch Probleme mit dem Sprechen, und man kann Sprachprobleme im Spiel des Kindes sehen. Die Entwicklung von Spiel und Sprache spiegeln einander, denn sie sind iWesentlichen aus demselben Material. Deswegen: stellen Sie spielerische Interaktion und Spaß miteinander haben in den Vordergrund, nicht Wörter.

SENSORISCHE AKTIVITÄTEN um ein schwer-zu-erreichendes Kind zu erreichen:

Bieten Sie eines dieser ‘Spiele’ an, und warten Sie ab, ob das Kind zeigt, ob es es (nicht) mag und ob Sie es nochmal machen sollen:

  • spielerisch seine Arme oder Beine rhythmisch schütteln
  • Arme, Beine, Hände, Füsse, Kopf freundlich aber fest drücken
  • spielerisch miteinander raufen
  • klare erkennbare Rhythmen auf den Rücken klopfen
  • Rücken oder Gliedmassen ausstreichen
  • als Spiel auf seine Haut oder Haaransatz blasen
  • Guckuck spielen in allen Variationen
  • Türen auf und wieder zumachen und Guckuck spielen
  • Kind in einen Teppich oder eine Decke ein- und wieder ausrollen
  • Kind in einer Decke schaukeln
  • Seifenblasen
  • Mund- und Gesichtsspiele, Summen, Prusten, Zungenspiele
  • zusammen tanzen, springen
  • Finger- und Kinderreime, bei denen Worte, Rhythmus und Bewegung direkt miteinander verbunden sind

Mit diesen Ideen und Vorschlägen werden Sie und Ihr Kind realistische Gelegenheiten für interaktives Spiel entdecken und um in emotionalen Kontakt zu kommen, sich weniger hilflos zu fühlen und Spaß miteinander zu haben. So kann Ihr Kind die Welt, sich selber und Ihre gemeinsame Beziehung miteinander auf neue Art und Weise entdecken, und Sie helfen ihm langsam Fortschritte zu machen in Richtung neuer Erfahrungen, spielerischer Interaktion, zunehmendem Interesse und sinnvoller Kommunikation.