Wenn wir mit einem Kind mit Autismus oder autistischem Verhalten zusammen sind, fühlen wir uns häufig verloren oder hilflos, weil sich das Kind nicht kooperativ, sondern ablehnend verhält, nicht liebevoll reagiert, nur selten etwas annimmt, was wir ihm anbieten, und sich häufig abwesend, isoliert und verschlossen zeigt. Dies endet zumeist damit, dass der fürsorgliche Erwachsene versucht, dem Kind seine eigenen Ansichten aufzuzwingen in dem Bemühen, ihm etwas Sinnvolles beizubringen und so auch ein wenig Ordnung in das zu bringen, was sich chaotisch anfühlt – oder schon hart an der Grenze zum Unerträglichen ist. Allerdings ist dies selten von Erfolg gekrönt, sondern eher nur frustrierend. Somit ist es vollkommen verständlich, dass der Erwachsene angesichts der scheinbar unerträglichen und nicht lösbaren Situation im zweiten Anlauf aufgibt und das Kind in seiner Zurückgezogenheit sich selbst überlässt.

Gefühlte Distanz & Autistische Bewusstseinszustände

„Er hört mir nicht zu. Er nimmt nichts von dem an, was ich ihm anbiete, außer Kekse. Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Deshalb frage ich mich, warum ich es überhaupt versuchen sollte.“, sagte mir die Mutter eines autistischen 4-Jährigen. „Aber als Sie mir beschrieben haben, was in ihm vorgeht, was er verstehen kann und wie ich ihn verstehen kann, … dann nehme ich es nicht mehr so persönlich … und fühle mich nicht mehr so abgewiesen.“

Eine Hilfe kann sein, ein Gefühl dafür zu bekommen, wo sich das Kind in seiner emotionalen Distanz bezogen auf uns befindet. Darüber nachzudenken, was in ihm vorgehen könnte, kann uns in diesem Moment helfen, uns neu zu orientieren und neue Reaktionsmöglichkeiten zu finden und ihm dadurch zu helfen.

Es gibt 3 Arten von emotionaler Distanz: Ist das Kind

  1. weit weg von mir?
  2. gegen mich?
  3. bei mir?

Ich möchte Sie einladen, diese 3 Möglichkeiten von emotionaler Dinstanz in den nächsten Tagen im Umgang mit Ihrem Kind zu beobachten, und vielleicht auch in der Beziehung mit anderen Menschen und mit sich selber. Wie fühlt sich das an? Was hilft? Was macht es schlimmer oder besser? Ein genaueres Nachspüren in sich selber ist ein wichtiger Anfang zum Verstehen und in Richtung von positiver Veränderung.

Nächstes Mal geht es weiter, und wir werden uns diese schwierigen Gefühlszustände genauer ansehen, um sie besser verstehen zu können sowie nützliche Techniken beschreiben, um mit ihnen sinnvoll und hilfreich umzugehen.