Wenn wir das Gefühl haben, das Kind ist „gegen mich“, wehrt es sich möglicherweise gegen einen Versuch, ihm etwas beizubringen oder es erreichen zu wollen. Häufig ist es dabei aufgebracht und legt automatisch eine gewisse entschlossene Negativität an den Tag. Es ist einfach „dagegen“, gegen alles.

Eine Umarmung und ihr Gegenteil

Oder es drückt sich so an ihren Körper, dass es sich nicht wie eine liebevolle Umarmung, sondern vielmehr wie ein Besitzergreifen Ihres Körpers anfühlt, so als gehöre er ihm. Für einen Außenstehenden mag dies nach Zuneigung aussehen. Die betroffene Person aber fühlt sich von dem Kind wie ein Objekt oder Werkzeug benutzt, um ein dringendes sensorisches Bedürfnis zu befriedigen, ohne Interesse oder Rücksicht auf Gefühle und ohne sich dessen bewusst zu sein, dass Sie zwei unterschiedliche Personen sind. Da ist kein Gefühl des Dialogs oder Austauschs, sondern eher etwas Besitzergreifendes und Forderndes in dieser Geste. Manchmal drückt das Kind sogar seinen weit aufgerissenen Mund bedrohlich auf Ihr Gesicht, so als würde es Sie verschlingen wollen.

Oder es schreit wütend oder ist Ihnen oder sich selbst gegenüber aggressiv. Es kann sein, dass es Sie übertönt, während Sie sprechen, mit dem Fuß aufstampft oder seinen Kopf anstößt. Es kann laut und scheinbar deplatziert übertrieben lachen, während es dabei vielleicht auch noch seine Wiederholungsbewegungen steigert oder beschleunigt oder mit größerer Vehemenz fortsetzt. Oder es macht Groß in die Hose und will weglaufen, während es gleichzeitig versucht, Sie anzugreifen. Es fühlt sich hitzig oder wie in Flammen an, oder wie in einem Kampf oder einer Schlacht. Aber wenn Sie sich auf den Kampf einlassen, haben Sie verloren, denn es gibt keine Gewinner in diesem Kampf, – nur Verlierer und Leid.

Was ist da los und wie lässt sich helfen?

Ist Ihr Kind „gegen mich“, müssen Sie noch behutsamer auftreten, sonst wird der „kleine Vogel“ sich ganz schnell in einen Tiger verwandeln, der sich angegriffen fühlt und zur Verteidigung ansetzt.  Ihr Kind ist dann sehr gestresst und hat Angst vor seinen starken feurigen Gefühlen, und es hat keine Mittel, um auf irgendeine vernünftige Weise mit seiner inneren Situation klarzukommen. Oder Sie fühlen sich selbst hitzig oder wütend, was Sie in einen Kampf ziehen könnte. Hier hilft das Bild, dass Ihr Kind sich voller feuriger Gefühle erlebt und gefangen zwischen lähmender Panik und weglaufen wollen um sich zu retten. Es braucht jemanden von der Feuerwehr, der/die mutig ins Feuer geht und das panische Kind aus dem Inferno herausholt und in einen und in einen besser regulierten körperlichen und emotionalen Bewusstseinszustand bringt.

Wenn „die ganze Welt ist gegen mich“ ist

Verlangen Sie von Ihrem Kind nicht, etwas anders zu machen oder sich nicht so zu fühlen, wie es fühlt. Es kann nicht anders. Nicht in diesem Moment. Sonst erhöhen Sie den Stress für Ihr Kind, und gießen Öl ins Feuer. Dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn Ihr Kind explodiert oder Sie zur Zielscheibe seiner Negativität macht und Sie aggressiv attackiert.

Versuchen Sie erst gar nicht, Ihr Kind dazu zu bringen, dass es sein Verhalten kontrolliert oder ändert. Es macht es nicht absichtlich, um Sie zu ärgern oder zurückzuweisen. Es passiert ihm. Das Kind ist total gestresst, hat kein Vertrauen in Sie und in niemanden, und das Gefühl „die ganze Welt ist gegen mich“ und es fühlt sich machtlos, dieser überwältigenden Gefühle in irgendeiner Weise Herr zu werden und sie zu kontrollieren.

Nützliche Techniken, wenn das Kind „gegen mich“ ist

  • Weniger erwarten und die kognitive Last reduzieren, indem Sie nur sehr wenige Worte verwenden und dabei betont beruhigend sprechen
  • Tempo rausnehmen, atmen, nett zu sich selbst sein und bloß nicht selber „Feuer fangen“
  • Aufmerksam und interessiert sein an Ihrem Kind und seinen Gefühlen, aber sich nicht in einen Kampf reinziehen lassen: Sie wissen ja – diesen Kampf werden Sie mit großer Sicherheit verlieren.
  • Mehr Sicherheit durch Begrenzung bieten, mehr Ordnung, mehr Struktur, eine liebevolle freundliche Striktheit – gerne auch einige Dinge wegräumen, um mehr Ruhe in die Umgebung zu bringen
  • Liebevolle, klare Methoden finden, Ihr Kind davon abzuhalten, sich mit der anderen Person zu verwechseln oder zu verschmelzen. Sprich: Lassen Sie nicht zu, dass es sich an Sie anheftet oder sich an Ihnen reibt, indem Sie einfach aufstehen und dies somit unmöglich wird. Oder sitzen Sie neben Ihrem Kind an einem klar definierten Platz für Sie selbst und für Ihr Kind, ohne dass sich Ihre Sitzbereiche überlappen, damit es nicht auf Ihnen klebt.
  • In einer beruhigenden und Sicherheit vermittelnden Präsenz sein, vielleicht die Hände oder den Körper freundlich, aber fest halten und darauf achten, dass Sie nicht verletzt, getreten oder gebissen werden

Vielleicht tauchen in diesem Zusammenhang Fragen zu Problemen auf, die Sie an Ihrem Kind beobachtet haben. Über eine Rückmeldung oder Ihre Gedanken zu diesem Thema freue ich mich.